Der Hausbock


Der Hausbock, der regional auch als großer Nagekäfer bezeichnet wird, ist eine endemische, also in unseren Breiten beheimatete Käferart. Er wird häufig mit dem Holzbock, einer Zeckenart, verwechselt. Den natürlichen Lebensraum des Hausbocks stellt der Wald dar, wo die Larven des Käfers sich in toten, trockenen Baumleichen entwickeln.
Die adulten (geschlechtsreifen) Käfer können fliegen und sind tagaktiv. Die Flugzeit liegt zwischen Mai und September. Die ausgewachsenen Käfer, die eine Lebenserwartung von nur etwa zwei bis drei Wochen besitzen, nehmen keine Nahrung zu sich. Dieses Entwicklungsstadium dient ausschließlich der Fortpflanzung. Während dieser Zeit leben die Käfer von den Reservestoffen, die sie sich als Larven zugelegt haben. Da alle Lebensvorgänge, speziell die Kopula und die Eiablage sehr energieaufwendig sind, besteht eine Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern.

Die adulten Käfermännchen suchen nach ihrem Ausschlüpfen geeignetes Holz zur Eiablage auf und produzieren ein Pheromon (Sexuallockstoff), das die Weibchen anlocken soll. Weiterhin suchen sie einen Versteckbereich innerhalb der Hölzer, das für die Kopula geeignet ist.
Die Weibchen wiederum suchen nach dem Schlüpfen einen passenden Sexualpartner. Dabei orientieren sie sich einerseits nach dem Pheromon der Männchen und andererseits an der Duftintensität der vorhandenen Hölzer. Es wird das Käfermännchen zur Begattung aufgesucht, bei dem das Holz die besten Entwicklungsmöglichkeiten für die Nachkommen bietet.
Etwa 2 bis 3 Tage nach der Kopulation beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Die Eier werden mit Hilfe eines langen Legestachels in 0,3 bis 0,6 mm breite Risse abgelegt.
Während dieser Eiablage werden durchschnittlich zwischen 140 - 200, manchmal auch mehr als 500 Eier in Spalten und Trockenrisse des Holzes, die teilweise kleiner als ein Millimeter sein können, abgelegt.

Aus den Eiern entwickeln sich die Käferlarven, dem eigentlichen hölzzerstörenden Entwicklungsstadium. Das erste larvale Stadium bohrt sich in das Holz ein.
Die Anzahl der dabei angelegten Gelege beträgt in der Regel zwischen drei bis maximal sieben. Als Nahrungsgrundlage für die Nachkommen dient ausschließlich der Splintholzbereich von Nadelhölzern, da dieser Splintholzbereich eiweißreicher als das Kernholz ist.
Die Entwicklung der Larve nimmt, in Abhängigkeit vom Eiweißgehalt des Holzes, zwei bis sieben, in Extremfällen bis zu zehn Jahre in Anspruch. Je länger diese Entwicklungszeit andauert, desto größer sind die dabei durch die Larven angerichteten Fraßschäden. Am Ende der Entwicklung verpuppt sich die 15 bis 30 mm große, walzenförmige Larve dicht unter der Holzoberfläche. Charakteristisch ist das Freßgeräusch der Larven, dass man mitunter recht gut hören kann.
Schäden werden nur in Nadelhölzern und nur durch die Larven angerichtet. Die angerichteten Fraßschäden können zu starken statischen Beeinträchtigungen an Gebäuden bzw. Gebäudeteilen führen. Es wird geschätzt, daß ca. 30 % aller Gebäude in der Bundesrepublik einen Hausbockbefall haben.
Besonders betroffen sind im allgemeinen die Konstruktionshölzer von Gebäuden (Dachstuhlgebälk, Decken- und Bodenbalken). Weniger betroffen sind Treppen, Fußbodendielungen, Fensterstöcke, Möbel und andere Holzteile.

Besonders befallsgefährdet sind 10 - 30 Jahre altes verbautes Holz. Holz, das älter als 60 Jahre ist, zeigt kaum noch einen Neubefall. Bei Gebäuden, deren verbautes Holz älter als 160 bis 180 Jahre ist, zeigt keinen Neubefall mehr.
Während des Schlupfs der erwachsenen Käfer aus der Puppenwiege nagen sie die papierdünn erhaltene Holzoberfläche in einem schrägen Winkel durch. Dadurch entstehen ovale Ausfluglöcher, mit einem Längsdurchmesser von 5 - 10 mm und 3 - 6 mm Breite. Die Ränder dieser Fluglöcher sind in Abhängigkeit zur Behandlung der Holzoberfläche glatt oder gefranst.

Die im Holz durch die Larven angelegten Fraßgänge verlaufen unregelmäßig, sind im Querschnitt entsprechend der Larvenform oval und zeigen z.T. platzartige Erweiterungen. Spätholz bleibt lamellenartig stehen. Aufgrund der ungewöhnlichen Größe der Larven (bis 30 mm Länge), haben die Fraßgänge einen Durchmesser von 7 bis 10 mm.
Der Holzabbau bei einem schweren Befall und bei entsprechenden klimatischen Bedingungen ist entsprechend groß.

Bekämpfungsmaßnahmen
Bei einem Befall sollte immer berücksichtigt werden, dass der Dachstuhl bei einem Sattel- oder Walmdach in der Regel nicht nur aus dem zugänglichen Spitzbodenbereich besteht, sondern dass große Teile des Dachstuhles oft als Wohnraum genutzt werden und demzufolge verkleidet sind. Auch diese Bereiche müssen in die Bekämpfungsmaßnahmen einbezogen werden.
Der bekämpfende Hozschutz selbst ist über die DIN 68.800, Teil 4, geregelt.
Die DIN ist sehr umfangreich und deren Erläuterung würde an dieser Stelle zu weit führen, daher sollen an dieser Stelle die einzelnen Verfahren nur kurz umrissen werden.

  1. Bei einer Heißluftbehandlung wird auf ca. 120 Grad C erhitzte Luft in den Behandlungsbereich eingebracht, wobei die Kerntemperatur der Hölzer über mindestens 30 Minuten bei 60 Grad C gehalten werden muß. Ein solches Verfahren ist nur dort geeignet, wo keine hitzeempfindlichen Gegenstände vorhanden sind und wo ein starker Befall vorliegt, da unabhängig von der Schwere des Befalls der Aufwand, also das Aufheizen des Dachstuhles einschließlich der erforderlichen Vorarbeiten, immer der selbe ist. Darüber hinaus müssen Dämmaterialien entfernt werden.
  2. Beim chemischen Verfahren müssen die befallenen Hölzer mechanisch von den Vermulmungen befreit werden. Entsprechend der DIN müssen Hölzer, die ein Alter von mehr als 60 Jahren besitzen und nicht befallen sind, lediglich einer Oberflächenbehandlung und in den Folgejahren einer Befallskontrolle unterzogen werden. Befallene und nicht allseitig zugängliche Hölzer, wie Sparren oder Pfetten, werden mittels Bohrlochtränkung behandelt. Dabei werden die Balken auf ca. 2/3 der Balkenstärke angebohrt, anschließend wird ein Holzschutzmittel eingebracht und die Bohrlöcher wieder mittels Hartholzdübeln verschlossen. Befallene Dielungen oder andere befallene Holzbauteile sind zu entfernen. Im Anschluß erfolgt eine Oberflächenbehandlung sämtlicher Hölzer.

Chemische Holzschutzmittel
Seit Anfang der 90er Jahre werden im Holzschutz im allgemeinen keine Insektizide mehr verwendet, die als sogenannte Nervengifte wirken; weiterhin wird überwiegend auf den Einsatz organischer Lösungsmittel verzichtet. Zum Einsatz kommen Borsalze, die zwar auch die vorhandenen Insektenlarven abtöten, jedoch verhalten sich diese Salze physikalisch ähnlich dem Kochsalz, d. h. sie besitzen keinen Dampfdruck und treten somit nicht in die Raumluft über.
Seit Mitte der 90er Jahre kommt ein weiterer Wirkstoff zum Einsatz, der bei Insektenlarven die Bildung von Chitin verhindert. Aus Chitin besteht die Außenhaut (Exoskelett) der Insekten. Da der Mensch kein Chitin bildet, sind diese Stoffe ebenfalls gesundheitlich unbedenklich.
Beide Stoffgruppen, Borsalze und Chitinsynthesehemmer, werden über wässrige Lösungen ausgebracht und können auch in Bereichen eingesetzt werden, die als Wohnraum genutzt werden.