Schaben


Schaben gehören wohl zu den unangenehmsten Schädlingen, weil diese Insektengruppe als Hausungeziefer für viele Menschen mit heftigen Ekelgefühlen verbunden ist.

Für die Schaben existieren im Volksmund zahlreiche Bezeichnungen, wie z. B. Franzosen, Schwaben, Preußen, Russen oder Kakerlaken. In der Vergangenheit griff man dabei häufig auf weniger beliebte, benachbarte Volksgruppen zurück, weil man diese Insekten, wie auch die unbeliebten Nachbarn, als äußerst lästig empfand, was wohl durch ihr Aussehen, Verhalten und Ihre Nahrungsgewohnheiten begründet sein mag.

Biologie der Schaben

Schaben stellen mit zahlreichen Arten eine sehr alte und äußerst erfolgreiche Gruppe von Insekten dar, die bereits im Karbon, vor rund 200 Millionen Jahren, auf der Erde existierte. Der Grund für den Erfolg dieser Insektengruppe liegt in ihrer geringen Spezialisierung, die es ihnen ermöglicht, sich rasch an Umweltveränderungen anzupassen. In ihren Ursprungsgebieten leben Schaben im Bodenstreu der Wälder. Die Klimaansprüche der einzelnen Schabenarten entsprechen den in diesen Ursprungsgebieten vorhandenen Klimaverhältnissen.

In Europa sind ca. 20 Schabenarten heimisch, die als Waldschaben im Freien leben. Die in unseren Breiten innerhalb von Gebäuden auftretenden Schaben stammen allerdings aus tropischen und subtropischen Klimaten. Diese Tiere sind im Laufe der Zeit durch Warentransporte über die ganze Erde verbreitet worden.

In unserer Klimazone bildet die enge Nachbarschaft zum Menschen mit ganzjährigem Vorhandensein von Wärme und Feuchtigkeit ihre Existenzgrundlage. Folgende, ursprünglich aus wärmeren Klimazonen stammenden fünf Schabenarten treten in Gebäuden auf:

Deutsche Schabe (Blattella germanica)

 

 

 

 

 

 

Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: Bayer AG

  • Braunbandschaben (Supella longipalpa)
  • Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)
  • Australische Schabe (Periplaneta australisiae)

Von den aufgeführten Arten stellen die Deutschen Schaben ca. 80 % aller in Deutschland auftretenden Befälle. Am zweithäufigsten wird die Orientalische Schabe angetroffen. Die anderen Arten kommen nur sehr selten vor. Alle bevorzugen jedoch hohe Temperaturen bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit. Diese Klimaansprüche sind die einzigen Faktoren, welche die Ausbreitung eines Schabenbefalles beschränken können. Jede einzelne Art besitzt dabei ein für sie spezifisches Klimaspektrum, das für die Ausdehnung eines Befalles innerhalb eines Gebäudes ausschlaggebend ist. Die Orientalische Schabe akzeptiert ein Temperaturspektrum von 17 bis 24 OC und benötigt eine relative Luftfeuchte von mindestens 40 %. Die Deutsche Schabe hingegen benötigt Temperaturen zwischen 22 bis 33 OC und einer Luftfeuchtigkeit von mind. 60 %.

Deutsche Schaben (Blatella germanica)

Die Deutsche Schabe ist innerhalb Deutschlands, neben den Stubenfliegen, der häufigste Hygieneschädling innerhalb von Wohnhäusern und lebensmittelverarbeitenden Betrieben. Die erwachsenen Tiere sind 12 bis 15 mm lang, braun, mit zwei dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild. Die Flügel bedecken den gesamten Hinterleib. Das erste Jungtierstadium ist knapp 2 mm groß. Die Nymphen (als Nymphen werden alle Stadien bezeichnet, die noch nicht die Geschlechtsreife erlangt haben) besitzen einen gelben Längsstrich auf dem Halschild.

Ein Weibchen produziert im Laufe Ihres Lebens ca. sieben Eipakete, wobei die Anzahl der Eier mit zunehmendem Alter des Weibchens abnimmt. Die Eipakete werden bis zum Schlupf der Nymphen etwa einen Monat am Hinterleibsende mitgetragen. Jedes Eipaket enthält ca. vierzig Eier. Die Deutsche Schabe zeigt somit eine größere Fortpflanzungsfähigkeit als die anderen synanthropen Schabenarten. Während der larvalen Entwicklung häuten sich die Nymphen sechs mal. Die Gesamtentwicklungszeit von Ei bis zum ausgewachsenen Tier dauert je nach Umweltbedingungen zwei bis acht Monate.

Ihre Ursprungsklimate sind die Bereiche zwischen Subtropen und Tropen. Aufgrund der dort herrschenden Klimabedingungen benötigen sie hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit. Weiterhin sind sie unbedingt auf vorhandenes freies Wasser angewiesen. Für einen Befall innerhalb eines Gebäudes bedeutet diese Ausgangsposition, daß Deutsche Schaben Bereiche mit Mikroklimaten aussuchen, die diese Bedingungen erfüllen.Sie bevorzugen feuchtwarme Bereiche besonders in Bädern und Küchen, wo sie sich z.B. im Motorbereich von Kühlschränken (Motorwärme und Kondenswasser der Kühlschlangen), innerhalb von Maschinen oder an Waschbecken am Tage versteckt halten.

Bekämpfungsmethoden

Die konventionelle, heute immer noch übliche Methode Zunächst muß darauf hingewiesen werden, daß das Risiko eines Gesundheitsschadens zunimmt, solange der Preis einer Maßnahme wichtigstes Entscheidungskriterium ist. Heute jedoch stehen andere wesentliche und leider unverzichtbare Anforderungen im Vordergrund.

Fachkompetenz, Schulung, Sorgfalt, Vorsicht, Beratung, Vorbereitung, Umsicht und Nachsorge erlauben keine Billigangebote.

Bis Anfang 1997 war es üblich, auch in Wohnbereichen, Bekämpfungsaktionen durch die Ausbringung von insektiziden Sprühbelägen durchzuführen. Diese Art der Bekämpfung brachte jedoch mit sich, daß - entsprechend den Vorgaben des BgVV (Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin) -

  • die Zimmer/Wohnungen im Vorwege gereingt werden,
  • die Bewohner während der Maßnahme und darüber hinaus mindestens für 4 Stunden die Wohung verlassen,
  • nach der Behandlung sämtliche Bedarfsflächen, die innerhalb des bearbeiteten Bereiches vorhanden sind, dekontaminiert werden müssen.

Bereits im Jahre 1992 forderte das damalige Bundesgesundheitsamt, daß innerhalb bewohnter Innenräume oder anderer sensibler Bereiche keine langfristig haltbaren Wirkstoffe eingesetzt werden sollten, bzw. wenn solche Wirkstoffe eingesetzt werden würden, entsprechende Dekontaminationen (umfassende Reinigungsmaßnahmen) zu erfolgen haben.

Diese Forderung des BGA hatte zur Folge, daß - zumindest von verantwortungsbewußten Schädlingsbekämpfern - nur noch Kurzzeitpräparate (z.B. Natur-Pyrethrum) oder Wirkstoffe, die in den Chitinhaushalt von Insekten eingreifen, verbunden mit Schabenklebefallen als Nachweissystem für einen Restbefall, eingesetzt wurden. Damit waren dann allerdings schnelle Tilgungserfolge nicht mehr so ohne weiteres zu erzielen.

Die Kurzzeitpräparate (besonders das Natur-Pyrethrum) haben die Eigenschaft, die Insekten aus den Verstecken herauszutreiben. Die so behandelten Flächen bzw. Verstecke der Schaben besitzen - auch noch nach unterschreiten der bioziden Wirksamkeit (Wirkstoffmenge unterhalb der für Schaben tödlichen Konzentration) - einen für die Insekten abschreckenden Charakter. Die während der Bekämpfung nicht abgetöteten Tiere suchen sich somit andere Verstecke, oft auch weit außerhalb der ursprünglich behandelten Bereiche. Dieses Verhalten hat zur Folge, daß sich der Befall innerhalb eines Gebäudes ausbreiten kann, wenn die benachbarten Wohnungen bzw. Bereiche nicht in die Bekämpfungsmaßnahme einbezogen wurden. Somit stand im Vorfeld einer jeden Bekämpfungsaktion eine Befallsermittlung innerhalb des betroffenen Gebäudes, um die Grenzen des Befalls und den daraus resultierenden Umfang der Bekämpfung auszuloten.

Die Gelmethode - ein neuer gelartiger Köder

Mit der Einführung von Fraßgelen trat eine prinzipiell andere Bekämpfungsmethode in den Vordergrund. Diese Gele stellen ein für Schaben sehr attraktives Nahrungsmittel dar, von dem sie während ihrer Aktivitätsphase förmlich angelockt werden. Während der Ruhephase sterben die Tiere, die von diesem Köder genascht haben. Da Schaben auch tote Artgenossen fressen, wird der Wirkstoff auch von Ihnen aufgenommen, so daß eine Art Kaskadeneffekt eintritt.

Die Vorteile dieser Art der Bekämpfung liegen auf der Hand:

  • Fast unsichtbare Minimalapplikationen (kleine Punkte werden gesetzt)
  • Keine Geruchsbelästigung
  • Befallstilgung nach ca. 48 - 60 Stunden, Kontrollen müßen durchgeführt werden
  • Keine Vertreibung der Schaben
  • Keine Dekontamination
  • Alle Personen können während der Maßnahmen in den Räumen verbleiben