Taubenzecken


Die Taubenzecke (Argas reflexus) ist erwachsen im nicht vollgesogenen Zustand ca. 8 mm lang (vollgesogen ca. 12 mm) und sehr flach.

Die lederartig feste Haut ist hell- oder dunkelgrau (manchmal gelbgrau) gefärbt und die Beine sind stets hellgrau. Der Körperrand ist senkrecht gestrichelt und aufwärts gebogen.

Das Weibchen legt in den Sommermonaten mehrmals hintereinander und nach jeder Blutmahlzeit Gelege von 20 – 100 Eiern ab. Diese sind fast kugelrund, etwa stecknadelkopfgroß, zunächst bräunlich und später größtenteils milchigweiß gefärbt. Die nach etwa 3 Wochen aus ihnen schlüpfenden sechsbeinigen, weichhäutigen, lebhaft umherlaufenden Larven sind schmutzig gelb gefärbt und ziemlich stark behaart. Sie verbleiben 5 – 10 Tage auf dem erstbefallenen Wirt. Das ist für die Verbreitung der Art von großer Bedeutung. 8 Tage nach der ersten Blutaufnahme häuten sie sich zu Nymphen des ersten Stadiums und nach je 3 weiteren Wochen zu Nymphen des zweiten Stadiums und zum Adulttier. Die Nymphen gleichen, abgesehen von der Körpergröße, weitgehend den Geschlechtstieren.

 Die Gesamtentwicklung der Taubenzecke dauert 2 Jahre, in der Regel aber 3 Jahre oder mehr. Nur bei sehr günstigen Bedingungen (22 – 24 °C und 70 % Luftfeuchte) ist sie kürzer. Sie kann, da die Nymphen sich vor jeder Häutung einmal vollsaugen müssen, durch Mangel an Sauggelegenheit sehr stark verlängert werden.

Nahrung

Als Nahrung dient den Tieren in allen Stadien in erster Linie das Blut lebender Tauben. Am stärksten befallen werden die Jungtauben, die häufig unter den Schmarotzern sehr zu leiden haben und in manchen Fällen durch die Stiche und den Blutentzug so stark geschwächt werden, daß sie daran eingehen. Befallen werden auch Hühner, Gänse, Enten, Pferde und Menschen. – Menschen reagieren mit Atembeschwerden, Kopfschmerzen, beschleunigtem Puls, Erbrechen, Allergien.

Der Saugakt dauert bei den Larven 3 – 11 Tage, bei den Nymphen und den Geschlechtstieren durchschnittlich etwa ¼ - 2 Stunden. Die auf einmal aufgenommene Blutmenge, die ein starkes Anschwellen der Tiere verursacht, wiegt bis zum sieben- oder achtfachen Gehalt des eigenen Körpergewichts.

Auch bei dieser Zecke ist das Hungervermögen erstaunlich groß. Vollkerfe können 3 – 5 Jahre und länger ohne jede Nahrungsaufnahme am Leben bleiben. Die Generationszeit kann sich bis zu 9 Jahren und mehr ausdehnen.

Aufenthaltsstellen

Die Taubenzecken sitzen den größten Teil ihres Lebens in den Ritzen, Fugen und dunklen Ecken von Taubenschlägen, Hühnerställen oder in der näheren Umgebung davon. Ihre Verbreitung von einem Schlag zum anderen erfolgt durch die Tauben, welche die an ihrer Haut festgesogenen Schmarotzer mitschleppen. Diese passive Verschleppung geschieht besonders häufig im Larvenstadium, weil die Larven lebhafter sind und sich viel länger festsaugen als die Geschlechtstiere und Nymphen.

Erst wenn der Taubenschlag lange Zeit hindurch unbenutzt war, begeben sich die Zecken, vom Hunger getrieben, aktiv auf die Wanderung und sie gelangen dann vielfach in benachbarte Wohnungen des gleichen Gebäudes. Dies tritt nach den bisherigen Erfahrungen meistens erst dann ein, wenn der Taubenschlag von seinen Bewohnern schon etwa 4 – 6 Jahre aufgegeben worden ist. Jetzt befallen die Tiere bei Dunkelheit oder in der Dämmerung auch den Menschen. Der Einstich ist gewöhnlich nicht spürbar. Nach dem Saugakt stellen sich aber meistens ziemlich starke und langanhaltende, auf das Speicheldrüsensekret der Tiere zurückführende, Hautreaktionen und oft auch weitgehende Störungen des Allgemeinbefindens ein. In der Regel ist an der Einstichstelle zunächst ein dunkelroter oder violettroter Fleck zu erkennen. Später stellen sich dann oft Pappeln, Quaddeln, stärkere Entzündungen, heftiger Juckreiz, nässende und oft nur schwer heilende Wunden ein.

Menschenblut scheint diesen Zecken nicht zu bekommen, denn im Versuch gingen alle am Menschen gefütterten Exemplare, wohl infolge einer Störung der Verdauungstätigkeit, nach wenigen Tagen ein. Die Larven saugen freiwillig wohl niemals am Menschen. Daraus folgt, daß die in Wohnungen eingedrungenen Tiere sich dort nicht für dauernd einnisten oder sich gar entwickeln und vermehren können.

Bekämpfung

Sie wird sehr erschwert durch die versteckte Lebensweise der Taubenzecken. Nach Möglichkeit sind alle Ritzen, Fugen, Hohlräume gezielt und sorgfältig einzusprühen. Dauer-wirkung ist wichtig.

 

 

Bild- und Textquelle: Frowein