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Wespen


Fast jeder meint Wespen zu kennen: etwa so groß wie eine Biene, jedoch schwarz-gelb gefärbt, äußerst aggressiv und überaus lästig. Die Schuld an diesem Vorurteil tragen zwei Wespenarten, die staatenbildend und sehr wehrhaft sind.

Sie bauen im Frühling in Hohlräumen unserer Gebäude große Nester und fallen im Spätsommer auf der Terrasse oder in Biergärten mit vereinten Kräften über den Pflaumenkuchen und den Wurstaufschnitt her bzw. zeigen sehr großes Interesse an zuckerhaltigen Getränken, in denen sie oft elendig ersaufen. Solche Verallgemeinerungen insgesamt auf alle Wespen anzuwenden, ist jedoch völlig falsch.

Das Wissen um die Organisation ihrer Staaten und die Fressgewohnheiten unserer Wespen kann helfen, manches Vorurteil zu entkräften, das an den Kaffeetischen gepflegt wird. In Wirklichkeit handelt es sich bei Wespen überwiegend um „nützliche“ Insektenfresser.
Sehr große Unterschiede in Färbung, Größe und Verhaltensweisen weisen daraufhin, dass es sich bei den „Wespen“ nicht um eine einzige, fest umrissene und eng miteinander verwandte Insektengruppe handelt. Im Alltagsgebrauch gehört der Ausdruck „Wespen“ bei uns zur gebräuchlichen Umgangssprache, ist aber letztendlich kein wissenschaftlich geprägter (taxonomischer) Begriff. Weil es so viele unterschiedliche Wespenarten gibt, ist auch deren Nestbau, wenn sie denn überhaupt Nester bauen, sehr unterschiedlich gestaltet. Werden die Waben bei sozialen Wespen von oben nach unten und mit den Öffnungen nach unten und zur Seite gebaut, so sind die Waben bei Hummeln nach oben und die der Honigbienen immer zur Seite geöffnet. Manche der vielen alleinlebenden „Solitärwespen“ hingegen bauen kleine Nester an Steinen, andere legen ihre Eier in Bodenlöcher, an Pflanzenstengel oder in Holzlöcher ab (vor allem Bohrgänge) oder sogar in Schneckenhäuser. Viele Solitärwespen betreiben überhaupt keine eigene Brutpflege, sondern parasitieren andere Wespen oder Bienen.

Alleine in Deutschland gibt es über 630 Wespenarten in mehr als 120 Gattungen.
Bei den Wespen existieren einzeln lebende Arten (Pillen- und Lehmwespen) und staatenbildende Arten (soziale Faltenwespen oder Papierwespen). Der Name „Faltenwespe“ ist darauf zurückzuführen, dass die Flügel der Tiere in Ruhelage längs gefaltet sind. In Deutschland treten 8 verschiedene Gattungen sozialer Faltenwespen auf.

Staatenbildende Wespen gehören zu den Insektenarten, die sich häufig im menschlichen Umfeld ansiedeln und zu Problemen führen können. Dabei können aber nur zwei Arten dem Menschen wirklich gefährlich werden und eine Bekämpfung erforderlich machen. Diese Arten (Gemeine Wespe und Deutsche Wespe) werden im folgenden besprochen:

Wie bei allen Wespen überwintern nur die jungen Königinnen und beginnen im folgendem Frühjahr - Ende April, Anfang Mai - mit dem Bau eines neuen Nestes. Alte Nester werden also nicht mehr genutzt. Die ersten von der Königin abgelegten Eier entwickeln sich zu Arbeiterinnen.
Diese Arbeiterinnen übernehmen die Aufgabe der Brutpflege. Ab diesem Zeitpunkt verlässt die Königin das Nest nicht mehr und ist ausschließlich mit der Eiablage beschäftigt.

Etwa ab Juli erreicht die Individuenzahl eine Größe, die von den betroffenen Menschen als zunehmende Aktivität, z.B. an Einflugsöffnungen oder Lebensmittelauslagen, registriert wird. Im Herbst erreicht die Anzahl an Wespen in einem Staat die maximale Größe und kann einige Tausend Individuen umfassen. Im September („Pflaumenkuchenzeit“) entwickelt das Volk seine maximale Aktivität. Im Herbst treten dann auch Drohnen (männliche Wespen) und junge Königinnen auf. Nach dem Hochzeitsflug und der Befruchtung der jungen Königinnen sterben die Drohnen ab. Beim Einsetzen der ersten Nachtfröste stirbt schließlich das gesamte Wespenvolk und nur die neuen Jungköniginnen suchen geschützte Plätze zur Überwinterung auf.

Die Nester werden bevorzugt versteckt errichtet. In Gebäuden findet man häufig Wespennester in Dachstühlen, Dachabseiten und Rolladenkästen. Im Freiland werden jedoch auch verlassene Nagerbauten für den Nestbau genutzt. Wespen sind tagaktiv und halten sich in der Dunkelheit im Nest auf. Werden attraktive Nahrungsquellen aufgespürt, wird diese Nachricht im Nest verbreitet, so dass diese Quellen auch von den anderen Arbeiterinnen verstärkt aufgesucht werden.

Wespen benötigen vor allem für die Aufzucht der Brut proteinhaltige Nahrung. Dazu jagen sie andere Insekten oder aber sammeln entsprechende Nahrung an Aas oder im menschlichem Umfeld. Dabei können sie an Nahrungsmitteln schädliche Keime übertragen, die sie vorher an Tierleichen oder Exkrementen aufgenommen haben. Etwa ab August erfolgt eine Umstellung bei der Nahrungssuche. Nun werden auch zuckerhaltige Nahrungsmittel, z.B. Fallobst, Kuchen oder zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, gesammelt.

Nur die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe werden dem Menschen durch das intensive Anfliegen von süßen Speisen und Getränken lästig.

Im Gegensatz zur Gemeinen Wespe ist die Deutsche Wespe recht friedfertig. Während der Nahrungssuche können Menschen und Haustiere belästigt und durch Stiche gefährdet werden. Grundsätzlich gilt: Nicht nach den fliegenden Tieren schlagen oder stark herumfuchteln. Sanfte Abwehrbewegungen vertrieben die Wespen meistens. Bei besonders sensiblen Personen können Stiche zu allergischen Reaktionen bis hin zu ernsthaften gesundheitlichen Schäden führen. Besondere Vorsicht ist bei alten Menschen und Kleinkindern geboten. Im Gegensatz zu Bienen, deren Gift weitaus stärker als das der Wespen wirkt, können Wespen aber mehrmals stechen.

Die wichtigsten Erkennungsmerkmale der Deutschen- und Gemeinen Wespe:
· Alle Wespenvölker, die nach Mitte September immer noch stark fliegen, können mit Sicherheit diesen beiden „lästigen“ Arten zugeordnet werden, bei günstiger Witterung überleben die Tiere bis Mitte November!
· Charakteristisch ist eine hohe Volksstärke von mehreren tausend Tieren!
· Nester vorwiegend in Erdhöhlen oder aber in anderen dunklen Hohlräumen, keine freihängenden Nester, wie z.B. in Hecken, Geäst oder auf hellen Dachböden!

Bekämpfung
Grundsätzlich sollte eine Bekämpfung durch den Fachmann (gepr. Schädlingsbekämpfer) erfolgen, der über die notwendigen Präparate und entsprechende Schutzkleidung verfügt. Dabei ist die Bekämpfung des Nestes mit Sprüh- oder Pulverpräparaten am sinnvollsten und effektivsten. Dabei sollten Mittel mit raschem Knockdown- und Abtötungseffekt eingesetzt werden. Die Nester sollten nach Abschluss der Maßnahme beseitigt werden, da diese Nester wiederum für Speckkäfer eine attraktive Nahrungsgrundlage bilden und es so zu einem Folgebefall kommen kann.
Kann das Nest zwar lokalisiert, aber nicht erreicht werden, erfolgt eine Behandlung des Einflugbereiches mit geeigneten Präparaten, wie z.B. insektiziden Pulvern oder zuckerhaltigen Fraßgelen.
Kann das Nest jedoch nicht lokalisiert werden, müssen attraktive Nahrungsquellen beseitigt oder verschlossen werden. Durch das Anbringen von Insektenschutzgittern kann ein Zuflug in Wohnhäuser verhindert werden. Köderfallen, die am Rand eines Problembereichs aufgehängt werden sollten, können das Problem zumindest verringern. In Geschäften oder Gaststätten können UV-Lichtfallen ebenso zur Reduzierung eines Wespenbefalls führen.

Geschützte Arten
Viele Wespenarten, darunter auch die Sächsische Wespe und die Hornisse, stehen unter besonderem Schutz und dürfen grundsätzlich nicht bekämpft werden. Vor einer Bekämpfungsaktion sollte daher eine Bestimmung der fraglichen Wespenart erfolgen, bzw. es sollte bestätigt werden können, dass es sich tatsächlich um die Deutsche bzw. die Gemeine Wespe handelt.
Ein Volk der Sächsischen Wespe umfasst in der Regel nur zwischen 100 - 200 Tiere. Sie treten in der Zeit zwischen Ende April und Ende August auf. Die Nester werden teilweise freihängend, aber auch in Höhlen angelegt.

Hornissen (Vespa cabro)
Allein durch ihre Größe unterscheiden sich Hornissen von den übrigen Wespenarten. Ein Volk umfasst zwischen 100 und 700 Tieren. Hornissen jagen bis zu 22 Stunden, also auch in der Nacht, was ein Umsetzen des Nestes erschwert. Sie treten zwischen Mai und Oktober auf, wobei die Nester meist in Höhlen, in Gebäuden häufig in Rolladenkästen, angelegt werden. Selten findet man ihre Nester freihängend, z.B. unter Dachüberständen. Lange Zeit galt die größte unserer Wespen als Inbegriff eines böswilligen Insekts. Allein durch seine Existenz wurde die Hornisse für Mensch und Pferd als Gesundheitsrisko angesehen und bekämpft. Inzwischen wurde die Hornisse im öffentlichen Bewußtsein aber weitgehend rehabilitiert. Sie wird nur aggressiv und sticht, wenn sie sich oder ihre Brut bedroht fühlt. Wenn man ihr mit Abstand und Respekt begegnet, wird es zu keinem Hornissenstich kommen.

Sowohl die Sächsische Wespe, als auch die Hornisse suchen nicht nach süßer Nahrung und kommen daher seltener mit dem Menschen in Konflikt. Kommt es zu einer solchen Situation, sollte versucht werden, soweit möglich, die Nester umzuhängen (Imker). Eine Bekämpfung ist nur mit Ausnahmegenehmigung der unteren Naturschutzbehörde möglich.